CSU im Nürnberger Land favorisiert Huber

DIEPERSDORF — Im Bezirk Niederbayern, in dem er kürzlich mit einer satten Mehrheit von 98 Prozent wiedergewählt wurde, ist Erwin Huber klar die Nummer eins. Im September strebt er auf Parteiebene ganz an die Spitze, um dort Edmund Stoiber zu beerben. Wenn es nach dem CSU-Kreisverband Nürnberger Land geht, gibt es daran keinen Zweifel. Kreisvorsitzender Kurt Eckstein macht aus seiner Meinung, wen er an der Spitze sehen will, sowieso kein Geheimnis: „Ich bin nicht gegen Horst Seehofer, aber für Erwin Huber“, erklärt er unmissverständlich und fügt im gleichen Atemzug an: „Die größere Anzahl hier ist ähnlicher Meinung.“

Damit meint er die Mitglieder der erweiterten Kreisvertreterversammlung, die Kreisvorstandschaft, Kreisräte, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaften, Ortsvorsitzende und Bürgermeister. Für Landratskandidaten Norbert Dünkel ist es sowieso klar. Der begrüßt Huber bereits als den „zukünftigen Parteivorsitzenden“.

Der hört es mit sichtlichem Wohlwollen und sagt dem Kreisverband jegliche Unterstützung zu, „dass der nächste Landrat Norbert Dünkel heißt“. Das macht er unabhängig davon, ob er nun Parteivorsitzender wird oder nicht. „Egal, wie die Wahl ausgeht, ich werde kommen und ihn unterstützen.“

Der Abend ist für ihn ein klares „Heimspiel“. Im Nürnberger Land hat man sein Angebot, alle CSU-Kreisverbände zu besuchen, gerne angenommen. Erwin Huber präsentiert sich erfahren und kompetent – sowohl in sämtlichen (politischen) Sachfragen als auch als gewiefter Taktiker, was die Partei betrifft. Seit 1978 gehört er dem Landtag an. Franz Josef Strauß macht ihn zehn Jahre später zum CSU-Generalsekretär und in dieser Eigenschaft kreuzen sich 1990 erstmals die Wege von Kurt Eckstein und Huber.

Er erinnert sich sogar noch an das Foto im „Boten“, das ihn als Wahlkampfhelfer mit Eckstein auf der Kirschbaum-Leiter in Hegnenberg zeigt. 1994 holt ihn Stoiber in die Staatskanzlei, gut ein Jahr später bekommt der einstige Steuerinspektor seinen Traumjob als Finanzminister. 1998 wird er Staatskanzleichef. Zwischenzeitlich ist er Wirtschaftsminister.

Erwin Huber verdeutlicht in seinen Ausführungen unter dem Motto „Starkes Bayern, starke CSU“ die erfolgreiche Politik, die Bayern zum dem gemacht hat, was es heute ist. In vielen Bereichen ist man Spitzenreiter geworden. „Die Leistungen Stoibers und der CSU sind ein Glücksfall für Bayern“.„Nahe am Menschen ist für uns eine tägliche Verpflichtung“, sagt Huber. Er kennt die Zahlen aus dem Landkreis, er weiß um die Zusammenhänge – und er weiß um die Wichtigkeit der Komunalpolitik. Deren Handlungsfähigkeit zu erhalten ist wichtig. Bayern hat deswegen auch in schwierigen Zeiten dem kommunalen Finanzausgleich einen hohen Stellenwert eingeräumt. Zur aktuellen Diskussion um die Kinderbetreuungseinrichtungen sagt Huber, dass die kein Ersatz für die Familie, sondern lediglich Ergänzungen sein dürfen. Die Entscheidung, wie man Familie und Beruf kombiniert, darf nicht der Staat entscheiden. Dessen Aufgabe muss es sein, Familie und Beruf zu erleichtern.

Dann widmet sich Huber dem Thema, das derzeit die Partei bewegt. Sein Credo: „Ich will mehr Teamarbeit und die Basis besser einbinden.“

Entscheidungen sollen nicht nur oben getroffen und dann abgenickt, sondern von den demokratisch legitimierten Delegierten mitbestimmt werden. Für ihn kommt die Stärke der CSU deutlicher zum Ausdruck, wenn die Ideen auch von der Basis mtigetragen werden. Huber denkt deswegen an eine Ideenbörse innerhalb der Partei. Er betont, dass er schon immer ein Mannschaftsspieler war. „Ich komme von der Basis und sehe meine Arbeit als Dienst am Land und an der Partei.“ Deswegen sieht er in der angestrebten Doppelspitze den richtigen Weg. Sowohl er als auch Beckstein hätten in der Vergangenheit in ihren Positionen so viel gelernt, „dass wir das können“. Das Tandem ist für ihn eine „verlässliche und persönliche Zusammenarbeit voller Vertrauen“.

Und Huber bricht eine Lanze für die Franken. „Dieser Teil ist wichtig für ganz Bayern und es ist an der Zeit, dass ein Politiker aus Franken eine Spitzenposition bekommt.“ Und deswegen folgt die Aufforderung: „Stellen Sie erfolgreich die Weichen für Beckstein und Huber.“

Und mit Beckstein will er klar auf das Ziel hinarbeiten, dass man bei den Wahlen 2008 wieder den klaren Regierungsauftrag bekommt. Und auch im Hinblick auf die Bundestagswahl 2009 ist für ihn die Zielrichtung klar: Bundeskanzlerin Angela Merkel leistet vorzügliche Arbeit. Die gilt es fortzusetzen. Und da will die CSU weiter mit Verantwortung tragen. Sein Ziel ist es, die CSU so stark zu machen, dass gegen sie und ohne sie nicht regiert werden kann. Das sind Herausforderungen, die gemeistert werden müssen. Und in dieser Zeit der großen Herausforderungen sieht Huber seinen Platz in Bayern. „Da muss der Parteivorsitzende vor Ort und bei den Wählern sein.“ Er lobt in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit den örtlichen Mandatsträgern: MdL Kurt Eckstein und MdB Marlene Mortler. „Gute Politik heißt Prioritäten setzen und das machen beide.“

„Auf die Franken ist Verlass“, sagt Marlene Mortler, „sowohl im Fussball als auch in der Politik.“ In der CSU brauche man auch in der Zukunft einen Parteivorsitzenden, auf den Verlass sei. „Aus Erwin Huber spricht die Kompetenz.“ Und auch Ehrenkreisvorsitzender Anton Dobmeier lässt an seiner Haltung keinen Zweifel, für wen er ist: „Der Parteivorsitzende muss nicht in Berlin sitzen.“ Den Anspruch der Volkspartei unterstrich auch Landratskandidat Norbert Dünkel, der kurz die Eckpunkte seiner Vorstellungen skizzierte. „Die CSU ist die Nürnberger Land Partei. Wir kommen nicht nur vor, sondern auch nach der Wahl – und das sechs Jahre.“



Zuversichtliche Mienen und ein symbolischer Fingerzeig: Erwin Huber und Norbert Dünkel wissen, wo es lang geht. Der eine will Parteivorsitzender werden, der andere Landrat.

Foto: Lorenz Märtl

Lorenz Märtl, Der Bote, Feucht




 

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