„Moderner Staat braucht
Regeln“
LAUF — Keine zu hohen Erwartungen bei den Wählern
wecken. Mit diesem Konzept scheint der Bayerische Wirtschaftsminister
Erwin Huber – wenn er denn wirklich neuer Parteivorsitzender
wird – die CSU künftig führen zu wollen.
Sehr ehrlich, um nicht zu sagen ernüchternd, äußerte
er sich nämlich bei einer Gesprächsrunde mit
Wirtschaftsvertretern aus dem Landkreis in den Räumen
der Firma Zeitlauf in Lauf. Die CSU-Kreistagsfraktion
hatte zu der Runde eingeladen. Mitglieder der IHK-Gremien
Lauf, Hersbruck und Altdorf sollten Gelegenheit haben,
einem entscheidenen Funktionsträger ihre Anliegen
persönlich vorzutragen, stellte Fraktionsvorsitzender
Norbert Dünkel die Idee vor. Beim letzten Treffen
vor neun Monaten war Ingo Friedrich, der Vizepräsident
des Europa-Parlaments, zu Gast. Für das nächste
Mal soll Bundeswirtschaftsminister Michael Glos gewonnen
werden.
In erster Linie nach Entbürokratisierung fragten
die Vorsitzenden der IHK-Gremien Lauf, Hersbruck und
Altdorf Erwin Huber. Wo kann man sich in Sachen Bürokratieabbau
schlau machen? so Thomas Horz (Lauf). Warum kommen immer
wieder neue Regelungen, die noch dazu nicht praktikabel
sind, so Norbert Fackelmann. Könnte man neue Verordnungen
und Gesetze nicht einem Praxistest unterziehen? so Hans-Jürgen
Lorenz (Altdorf).
Unmissverständlich machte Huber klar, dass die
Politik sich zwar stets um Bürokratieabbau bemühe,
gleichzeitig aber ständig neue Regelungen schaffen
müsse, weil diese in einem modernen Staat oft unentbehrlich
seien. Als Stichwörter nannte er Verbrauchersschutz,
Umweltschutz, Klimaschutz und Innere Sicherheit. In
jedem dieser Bereiche werde nach dem Staat gerufen.
Es könne daher nur darum gehen, eine vernünftige
Balance zu finden, und dafür zu sorgen, dass die
Vorschriften insgesamt nicht zunehmen. „Wenn es
uns gelingt, dass es unter dem Strich nicht mehr werden,
ist das okay.“ Huber wies außerdem darauf
hin, dass es auf jeden Fall ein Fortschritt für
die europäische Wirtschaft sei, wenn in allen 27
Mitgliedstaaten die gleichen Regelungen gelten.
Auch bei den Themen Steuer- und Arbeitsrecht, Energiekosten
und Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, zu
denen aus Reihen der Gesprächsteilnehmer Fragen
gestellt wurden, konnte der Bayerische Wirtschaftsminister
wenig Lichtblicke eröffnen. Das Steuerrecht könne
allenfalls in manchen Bereichen vereinfacht werden („wir
werden nicht aufgeben, aber es gibt Sachzwänge“),
am Arbeitsrecht sei, solange es die Große Koalition
gibt, wenig zu rütteln, weil die SPD hier bewegungsunfähig
sei („der Kündigungsschutz wird hier zur
Glaubensfrage“). In Bezug auf Energie versprach
er Versorgungssicherheit, jedoch nur zu höheren
Preisen. Klima- und Umweltschutz werden mehr kosten,
die Förderung der erneuerbaren Energien führe
zur Verteuerung.
Der Sonntag wird in Bayern ein „heiliger Tag“
bleiben. Der Einzelhandel werde auch in Zukunft nur
an vier Sonntagen in Jahr öffnen dürfen, und
diese müssen weiterhin an traditionelle Feste im
jeweiligen Ort gebunden sein. Denn eine freie Handhabung
der verkaufsoffenen Sonntage wäre nach Ansicht
der Kirchen ein Einstieg in die generelle Öffnung,
wogegen sich Protestanten wie Katholiken strikt wehren.
Und: „Gegen den Widerstand der beiden Kirchen
wird in Bayern nichts passieren, da wir die CSU sind.“
Der Landespolitiker sprach sich in diesem Zusammenhang
auch eindeutig gegen eine Aufweichung des Schutzes der
Innenstädte und des Mittelstandes aus. „Ich
fürchte sonst eine Amerikanisierung an Autobahnausfahrten
und eine Verwilderung der Innenstädte. Wir wollen
aber die Qualität der Innenstädte verbessern,
und zwar so, dass es für den Mittelstand verträglich
ist.“ Eines machte Huber generell deutlich: „Im
Bereich der Wirtschaft ist der Bundestag in sehr hohem
Maße von Europa abhängig und hat hier de
facto kein Entscheidungsrecht.“
Abschließend dankte er den Teilnehmern der Runde
für ihre Einwürfe, inbesondere in Sachen Entbürokratisierung:
„Es besteht die Gefahr, dass wir uns selbst ausbremsen,
wenn durch das Einhalten von Vorschriften unnötig
Kräfte verschwendet werden. Sie haben das Bewusstsein
wieder geweckt, dass wir aufpassen, dass es nicht zu
viele Regelungen gibt.“ Ein kleiner Trost für
die Anwesenden.
Vor Beginn des Gesprächstreffs hatte Thomas Horz,
als Chef von „Zeitlauf“ zugleich Gastgeber
der Veranstaltung, den Wirtschaftsminister gleich nach
seinem leider verspäteten Eintreffen in einem Schnelldurchgang
durch die Firma im Laufer Industriegebiet geführt.
Was Huber gesehen hatte, reichte ihm für ein überschwängliches
Lob: „So etwas findet man selten. Man hat den
Eindruck, dass dies ein außerordentlich innovativer
und zukunftsfähiger Betrieb ist.“ Vor seiner
Abreise nach Diepersdorf, wo er für die CSU-Mitglieder
im Kreis einen Vortrag „Starkes Bayern, starke
CSU“ hielt , überreichte er Horz einen Teller
mit dem Bayerischen Wappen. „So werden nur wenige
Unternehmen geadelt, aber Zeitlauf hat’s verdient.“
Michaela Moritz, Pegnitz Zeitung

Thomas Horz (rechts), Vorsitzender des IHK-Gremiums Lauf
und Chef der Firma „Zeitlauf“, stellt Wirtschaftsminister
Erwin Huber (1. Reihe, 2. v. r.) sein Unternehmen vor.
Neben Huber (v. l.) CSU-Kreisfraktionsvorsitzender Norbert
Dünkel, Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler und
Landtagsabgeordneter Kurt Eckstein.
Foto: Moritz
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