| Kreistagssitzung
am 10. Februar 2010
Haushaltsverabschiedung Kreishaushalt 2010
Sehr geehrter Herr Landrat,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
geschätzte Mitglieder der Verwaltung, Gäste
und Vertreter der Presse,
wenn wir uns heuer mit dem Kreishaushalt 2010 und Folgejahre
befassen, will bei Manchem trotz großer Investitionsimpulse
keine richtige Feierstimmung aufkommen. Viel mehr kommt
uns ein Zitat aus Shakespeares Hamlet in den Sinn, nämlich
das vom weinenden und lachenden Auge. Ein lachendes
Auge haben wir sicherlich ob der Tatsache, dass wir
dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen in unseren
Realschulen Feucht und Hersbruck, sowie der Fachakademie
Altdorf auf den Weg bringen, ergänzt durch den
CSU-Antrag, die dringend notwendige Instandsetzung der
Realschule Lauf in die erste Stufe der Sanierungen mit
aufzunehmen. Hatten wir zum Zeitpunkt der Entscheidung
jedoch einen Investitionsbedarf von 35 Millionen Euro
prognostiziert erhalten, ist bis zum heutigen Tag eine
Kostensteigerung um mindesten 6 Millionen Euro auf insgesamt
41 Millionen für diese vier Schulstandorte auf
dem Tisch.
Da kommt unser weinendes Auge ins Spiel, weil wir die
Gesamtentwicklung der Ausgaben der kommenden Jahre mit
sehr großer Sorge betrachten. Und dazu gehört
auch nochmal die Sanierung des Landratsamtsgebäudes.
Wenn vor 6 Monaten eine Mehrheitsentscheidung zu Gunsten
der Landratsamtssanierung damit begründet wurde,
35 Millionen Euro für Schulen und 15 Millionen
Euro fürs Landratsamt werde man wohl stemmen können,
so wissen wir heute, dass die Schulsanierung mit 41
Millionen und die Kostenschätzung fürs Landratsamt
auf wenigstens 23 Millionen eine Gesamtbelastung des
Haushalts von 64 Millionen Euro für die kommenden
5 bis 7 Jahre zur Folge haben wird.
Dies sind also 15 Millionen Euro mehr, als Rot-Grün-Gelb
im Kreistag noch vor 6 Monaten meinte und nahezu dreimal
so viel, wie der aktuelle Gesamtschuldenstand des Landkreises
Nürnberger Land.
Das Angebot eines renommierten Bauunternehmens, ein
Landratsamtsgebäude zu einem Festpreis, schlüsselfertig
und zu einem vorgegeben Termin neu zu errichten schlichtweg
auszuschlagen, ja nicht einmal hier im Kreistag vorstellen
zu lassen, sehen wir als einen besonders großen
politischen Fehler an, der nach Überzeugung der
CSU noch viel Sorge während der Bauphase und viel
Geld in der Endabrechnung kosten wird. Ich kenne keinen
Bauunternehmer und keinen Planer, der in den letzten
Wochen die Vorgehensweise des Kreistags nicht mit Kopfschütteln
begleitet hat, weil fachlicherseits allgemein vorgetragen
wird, dass eine General-Sanierung in dieser Konstellation
generell teurer kommt als ein Neubau und neben der Beeinträchtigung
für Personal und Kundenverkehr während der
Baumaßnahmen auch noch ein realistisches Risiko
besteht, dass bisher unentdeckte Baumängel weitere
Kostensteigerungen zur Folge haben werden.
Schließlich sprechen wir bereits heute von einer
Kostenexplosion von 30 Prozent gegenüber der Schätzung
vom September 2009.
Hinzu kommt, von Manchem unbemerkt, dass zur fachlichen
Betreuung der Sanierungsmaßnahmen eine Verstärkung
der Bauabteilung durch einen Diplomingenieur mit Schätzkosten
von 50 T € pro Jahr erfolgen muss, auf 7 Jahre
gerechnet also weitere 350 T Euro.
An dieser Stelle unserer Haushaltsbeurteilung könnte
nun die Mitteilung folgen, dass die CSU aus vorgenannten
Gründen den Haushalt ablehnt. Und viele Mitglieder
unserer Fraktion haben sich die Entscheidung zur heutigen
Abstimmung auch nicht leicht gemacht. Wir werden dem
Haushalt aber aus vier Gründen dennoch zustimmen:
Erstens sehen wir uns nicht als Opposition mit einem
Auftrag zur Verweigerungshaltung. Als stärkste
Fraktion im Kreistag haben wir einen Handlungsauftrag
der Bevölkerung, dem wir auch nachkommen.
Zweitens wird die CSU die demokratische Mehrheitsentscheidung
des Kreistags respektieren, eine aus unserer Sicht zwar
falsche, aber mehrheitlich getroffene Entscheidung zur
Ausführung zu bringen.
Drittens wird ab dem Jahr 2011 eine ganz entscheidende
finanzielle Wende nach 20 Jahren Krankenhausbelasteter
Finanzentwicklung eintreten: noch vor 7 Jahren hatten
wir ein Krankenhausdefizit von über 3 Millionen
Euro pro Jahr zu zahlen und neben den Schulden des Kreishaushalts
einen weiteren Schuldenberg von über 20 Millionen
Euro innerhalb der Kreiskrankenhaus GmbH aufgetürmt.
Durch die wie ich immer noch meine sehr mutige Entscheidung,
die Kreiskrankenhäuser einer neuen Gesellschaft
zu übertragen und gleichzeitig pro Haushaltsjahr
3 Millionen Euro Schulden zu tilgen, haben wir unsere
Krankenhausschulden im Jahr 2010 endgültig zurückbezahlt.
Wir können also heuer erstmals einen Teilbetrag
und ab dem kommenden Jahr volle 3 Millionen Euro aus
der bisherigen Schuldentilgung der Krankenhäuser
dem regulären Kreishaushalt zuführen.
Der Landkreis kann somit die Früchte der Entscheidung
des damaligen Kreistags zur Abfinanzierung der anstehenden
Investitionen einsetzen.
Und noch ein vierter Punkt trägt die Entscheidung
der CSU-Fraktion zur Haushalts-Zustimmung:
Da die anstehenden Bauinvestitionen den Städten
und Gemeinden im Landkreis in den kommenden Jahren viel
Geld kosten werden, das sie über die Kreisumlage
an den Landkreis abzuliefern haben, war es der CSU-Fraktion
besonders wichtig, dass ein Schreiben zur Erhöhung
der Kreisumlage an die Bürgermeister frühzeitig
neutralisiert wird.
Wir freuen uns, dass der Kreistag heute beschließen
wird, die Kreisumlage gegenüber dem Vorjahr nicht
zu erhöhen. Dabei verweisen wir auf die Tatsache,
dass der Landkreis Nürnberger Land ja trotz gleicher
Umlagenhöhe von 47 Prozent aufgrund der Umlagekraftentwicklung
über 7,6 Millionen Euro mehr von den Gemeinden
einziehen wird als 2009.
Also: Gleiche Umlage, aber mehr Geld!
Wenn wir die höhere Bezirksumlage von 5,3 Millionen
Euro berücksichtigten, verbleibt dem Landkreis
im Gefüge der Kommunalen Familie also ein Plus
von 2,3 Millionen Euro Mehreinnahmen. Damit können
Kreistag, Landrat und Kämmerer leben wie ich meine.
Hinzu kommt die Tatsache, dass der Landkreis Nürnberger
Land über 1,5 Millionen Euro weniger an den Bezirk
Mittelfranken für die so genannte ambulante Eingliederungshilfe
für Menschen mit Behinderung abführen muss,
weil diese seit 2009 in der Zuständigkeit der Bezirke
liegt.
Dass der Bezirk Mittelfranken dies schultern konnte,
ohne bereits 2009 die Umlage anzuheben und 2010 lediglich
1,5 Prozent Steigerung beschlossen wurde, belegt auch
auf Bezirksebene eine strenge Spar- und Haushaltsdisziplin.
Dabei sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass
der Bezirk Mittelfranken laut Schreiben des Bezirkstagspräsidenten
vom 11.2009 ins Nürnberger Land alleine aus dem
Einzelplan 4 / Soziales
2008 eine Summe von 27,8 Mio. Euro ausbezahlt hat. Bei
einer Bezirksumlage von knapp 26 Millionen Euro 2008
war das für den Landkreis Nürnberger Land
also wieder ein Nettogewinn von 1.93 Millionen Euro.
Dies bedeutet rechnerisch 7,4 Punkte Bezirksumlagengewinn
für das Nürnberger Land. Hinzu kommen hier
noch gar nicht eingerechnete Leistungen und Zuschüsse
des Bezirk Mittelfranken für Jugendverbände,
Schullandheime im Landkreis, Freizeitwerk Edelweißhütte,
Hutangerprojekte in der Hersbrucker Alb, Tag der Regionen,
Dehnberger Hoftheater, Jüdisches Museum Schnaittach,
Industriemuseum Lauf, Frankenalbklinik Engelthal, Berufsausbildungswerk
Schwaig und den Fränkischen Sommer.
Bei allen öffentlichen Äußerungen zum
Bezirk und zur Bezirksumlage sollte uns also bewusst
sein, dass der Landkreis Nürnberger Land großer
Nutznießer ist und mit dem Bezirk ein fettes Geschäft
macht!
Unser Dank und unsere Würdigung gilt an dieser
Stelle aber auch allen Ämtern und Abteilungen des
Landkreises, die in den vergangenen Wochen hart am Limit
nach Einsparungsmöglichkeiten gesucht und gerungen
haben.
Dank dem Kämmerer Bernd Hölzel, den Abteilungsleitungen
und den Beschäftigten des Landratsamtes, die nach
Kräften mitgewirkt und ihren wertvollen Beitrag
zu Einsparungen geleistet haben. Insgesamt immer mit
der Bereitschaft, den Gürtel enger zu schnallen,
aber dabei die Leistungen für die Bürger nicht
allzu sehr einzuschränken.
Dem will auch der Kreistag mit einem Beschluss Rechnung
tragen, die freiwilligen Leistungen im Jahr 2010 nicht
zu erweitern.
Da passt es für die CSU nicht ins Bild, wenn weiterhin
hartnäckig aber ohne Konzept im Haushaltsansatz
681.63 und 682.63 Mittel zur Einrichtung von so genannten
„Außenstellen“ des Landratsamtes in
Hersbruck und Altdorf ausgewiesen sind. Entgegen unserer
dringenden Bitte bereits in der Kreisausschusssitzung
am 26. Januar 2009, also vor über einem Jahr, dem
Kreistag doch endlich einmal zu erläutern, welche
Angebote für die Bevölkerung in solchen Außenstellen
überhaupt realistisch zur Verfügung gestellt
werden können, ist man dem Kreistag ein zustimmungsfähiges
Konzept bisher schuldig geblieben.
Gelder ohne Konzept sind jedoch in der heutigen Zeit
aus unserer Sicht kein Zeichen verantwortungsvoller
Haushaltspolitik.
Positiv ist zu bewerten, dass auch der neue Kreistag
zur Verantwortung des Landkreises für eine gesicherte
Versorgung älterer und alter Menschen steht.
Mit dem CSU-Antrag zur Förderung der Generalsanierung
im Altenheim Röthenbach und für neue Plätze
der Glockengießer Spital Stiftung Lauf reagieren
wir verlässlich auf das Modus-Gutachten zur Versorgung
alter Menschen.
Ebenfalls positiv in finanziell schwerer Zeit sehen
wir die Bereitschaft des Kreistags, weiterhin freiwillige
Zuschüsse an die sozialen Wohlfahrtsverbände
und die ambulanten Pflegeeinrichtungen Caritas und Diakonie
mit nahezu 250000 Euro zu leisten.
Unser Appell richtet sich deshalb an Fraktionen und
Verwaltung, in diesem Sinne bedarfsnotwendige Einrichtungen
auch zukünftig zu unterstützen und dabei nicht
zwischen Alten, Blinden, körperlich oder geistig
behinderten Menschen zu differenzieren.
Wie jedes Jahr, leider beginnt dieser dieser Satz so
als wäre es die unendliche Geschichte, wie jedes
Jahr steht die CSU-Fraktion zur
Verpflichtung des Landkreises für ein Hallenbad
in Altdorf. Für Planungsleistungen sind 600 T €
im Haushalt eingestellt. Wir gehen davon aus, dass 2010
nach Klärung der Vorgehensweise mit der Stadt Altdorf,
endgültig über die Umsetzung verhandelt werden
kann.
An weiteren Investitionen seien auch das Radwegenetz
mit dem Radweg von Rudolfshof nach Günthersbühl
für 350000 € und Straßenbauinvestitionen
für die Trasse Burgthann / Grünsberg mit
1 Million, sowie von Schupf nach Alfeld mit 450 T €
genannt.
Es gibt aber auch Dinge, die aus Sicht der CSU endlich
angepackt und heuer ebenfalls noch auf den Weg gebracht
werden müssen:
Für ein Blockheizkraftwerk auf Hackschnitzelbasis
in Lauf hoffen wir auf ein schnelles und schlüssiges
Konzept der Verwaltung. Schließlich reichen die
ersten Initiativen noch bis in die Amtsperiode Reich
/ Pompl zurück.
Dringenden Handlungsbedarf sehen wir auch im professionellen
Ausbau des Tourismus in unserem Landkreis. Mit einem
modernen Konzept, einer neuen Werbelinie, einer verbesserten
Darstellung auf Messen und mit einer kritischen Reflektion
der Übernachtungszahlen im Vergleich zu anderen
Tourismusregionen in Franken muss der Tourismus nach
Meinung der CSU zu einem neuen, starken Standbein im
Nürnberger Land entwickelt und ausgebaut werden.
Gerade in den strukturschwachen Gebieten und Gemeinden
stellt der Tourismus eine Zukunftschance von erheblicher
Bedeutung dar.
Der von der CSU-Fraktion beantragte Tourismustag soll
Anbietern und Tourismusdienstleistern neue Aktions-
und Präsentationsmöglichkeiten eröffnen
und den Focus verstärkt auf unseren Landkreis lenken.
Im Sinne einer guten Kooperation zwischen Politik und
Verwaltung danken wir abschließend dem Kämmerer
Bernd Hölzel und seiner Abteilung für das
umfassende Planwerk, für die sachkompetente Begleitung
und Beratungen der Fraktionen und für die gute
Darstellung des Zahlenmaterials.
Namens der CSU danke ich auch allen Abteilungs- und
Sachgebietsleitern für die Erarbeitung des Etatplanes,
für die offene Informationspolitik und für
die stets kollegiale Zusammenarbeit. Dank gebührt
schließlich den Redakteurinnen und Redakteuren
der Heimatzeitungen PZ, HZ und Bote für die öffentliche
Begleitung und für die aufgeweckte Berichterstattung.
Der Kreishaushalt 2010 trägt dazu bei, den Landkreis
weiter zusammenwachsen zu lassen und keine Standortnachteile,
ob Nord- oder Südlandkreis, entstehen zu lassen.
Das ist uns besonders wichtig.
Die CSU-Fraktion stimmt dem Haushalt in Abwägung
aller Gesamtumstände zu.
Norbert Dünkel
Fraktionsvorsitzender
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