| "Die Bayerische
Mittelschule - Chance für ein Erfolgsmodell?"
Informations- und Diskussionsabend
beim Ortsverband Velden/Hartenstein
Nur
kurz begrüßte Herr Norbert Dünkel, Fraktionssprecher
der CSU und Kreisvorsitzender des Kreises Nürnberger
Land, die anwesenden Gäste und verweist darauf,
dass der angekündigte Vortrag vom Kollegen Herrn
Gerhard Wägemann abendfüllend sein wird .
"Sehr geehrte Damen und Herren, ein herzliches
Grüß Gott Ihnen und dem Kollegen aus Weißenburg,
der uns eine umfangreiche Einführung vortragen
wird. Ich darf auch im Namen von Kurt Eckstein, der
heute bei uns leider nicht sein konnte, sie alle herzlich
begrüßen.
Liebe Eltern, Bürgermeister, Lehrer, die Entwicklung
der Schulen ist für uns ein wichtiges Anliegen,
besonders in unserer Region, in der wir leben. Die demographische
Entwicklung zwingt uns neue Wege im Schulsystem und
in der Berufsausbildung zu gehen. Betrachtet man die
globale Entwicklung, so stehen die Handwerksbertriebe
vor einer Herausforderung, die sie nicht nur in der
Technik neue Wege zu beschreiten zwingt, sondern auch
in der Zweisprachigkeit sich anpassen müssen, wollen
sie zukünftig den auf sie zukommenden Konkurrenzdruck
im Wettbewerb gleichziehen. Gerade unsere berufsbildenden
Schulen sind gefordert einschlägig ein bedarfsgerechtes
Ausbildungsprogramm anzubieten, die den junge Menschen
das nötige Fachwissen mit auf den Weg geben. Herr
Gerhard Wägemann ist zu uns gekommen, um uns mit
einem einführenden Vortrag auf die auf uns zukommenden
Lösungsmöglichkeiten vorzubereiten.
Herr
Gerhard Wägemann, MdL, begrüßte die
Anwesenden und bedankte sich für die Einladung
beim Vorsitzenden des Ortsverbands Herrn Kurt Dauth
und war hoch erfreut vor fachlichen Zuhörern über
die auf die Gemeinde- und Stadtverwaltungen zukommende
Problematik im zukünftigen Schulsystem eingehen
zu können, zukunftsweisende Impulse aufzuzeichnen
und sachlich orientierten Gemeindevertretern die auftretenden
Veränderungen, die zukünftig auf sie zukommen
werden, zu unterbreiten.
"Sehr geehrte Damen und Herren, das mir vorgegebene
Thema: 'Weiterentwicklung der bayerischen Schulstruktur
- Die Bayerische Mittelschule', erfordert, anfangs einige
grundsätzliche Ausführungen zur Bildungspolitik
insgesamt zu machen.
'Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes
beginnt nicht in der Fabrikhalle oder im Forschungslabor,
sondern in der Schule' (Henry
Ford)
Es gab schon in den 70er Jahren eine intensive Diskussion
über eine Bildungsreform, die seit Veröffentlichung
der PISA-Studie (Programme for International Student
Assesment der OECD) 2000 im Jahr 2001 eine neue öffentliche
Debatte über den Wert der Bildung, im Allgemeinen,
in unserem Schulsystem und die Leistungen der Schüler
und Lehrkräfte entfachte, die auch nach der 2.
PISA-Studie und mit dem sehr guten Abschneiden bayerischer
Schüler- und Schülerinnen weiterging.
Wurden wir beim letzten, zum Ende des Jahres 2008,
veröffentlichten PISA-Test, zwar erstmals innerhalb
Deutschlands von Sachsen knapp vom 1. Platz verdrängt,
so stehen wir doch weiterhin international in der absoluten
Spitzengruppe.
In Bayern gelingt, über alle Schularten hinweg,
die Förderung von Kindern aus eher bildungs-fernen
Schichten am besten. Im Bereich Lesen beispielsweise
erzielten bayerische Jugendliche aus Arbeitnehmerfamilien
mit in Deutschland geborenen Eltern den höchsten
Wert aller Länder. Der Abstand zu den Jugendlichen
aus höheren Schichten war geringer als in fast
allen anderen Ländern. Auch die Förderung
von Kindern, bzw. Jugendlichen mit Migrations-hintergrund,
gelingt in Bayern deutschlandweit am besten; dennoch
besteht weiterhin Handlungsbedarf.
All diese Ergebnisse zeigen, dass der Vorwurf das bayerische
Schulwesen sei selektiv und sozial ungerecht an den
Tatsachen vorbeigeht!
Für eine grundsätzliche Schul-strukturdebatte
gibt es aus meiner sicht keinen Grund. Eine solche Diskussion
ginge auch an den eigentlichen Problemen vorbei. Der
bessere Weg ist die Qualität des Unterrichts und
die Vielfalt der Bildungswege weiter zu entwickeln!
Das bayerische Schulsystem ist bewusst mehrgliedrig
und durchlässig, weil wir keine Einheitsschule
für alle wollen, in denen alle Kinder und Jugendliche
in ein Schema gepresst werden, sondern unterschiedliche
entwick-lungs- und begabungsgerechte Angebote machen.
Hohe Durchlässigkeit mit dem Motto: "Kein
Abschluss ohne Anschluss" ist unser Leitmotiv.
"Durchlässigkeit des Schulsystems" ist
wichtig!
Klar ist für mich jedoch auch, dass solch positive
Ergebnisse nicht ohne ein großes Engagement und
ohne hohe Motivation unserer Lehrkräfte, die hier
wirklich vorbildlich arbeiten, möglich wären;
deren qualifizierte Arbeit, für die ich auch an
dieser Stelle danke, ist wessentlich besser als der
landläufige Ruf!
Auch die bayerischen Kommunen und Landkreise leisten
Gewaltiges, um die Schulen in ihrer Trägerschaft
eine gute Ausstattung zu gewähr-leisten und dies
auch in einer Zeit, in der der finanzielle Spielraum
der Sachaufwandsträger gering ist.
Wir wissen, dass Bildung der Schlüssel zu individuellem
und kollektivem Wohlstand in unserer Gesellschaft, die
heute zu Recht auch als "Wissenschaft" bezeichnet
wird, ist.
Bildungspolitik war und ist eine Kernkompetenz des
Freistaates Bayern und ein Kernanliegen!
Ich will hier einige grundsätzliche Anmerkungen
und Klarstellungen treffen, bevor ich mich dem speziellen
Thema 'Bayerische Mittelschule' widme:
Unser Bildungshaushalt umfasst nunmehr rd. 9,5 Mrd.
€! 2009 und 2020 werden mehr als 2.700 zusätzliche
Lehrstellen geschaffen.
Den Grund- und Hauptschulen bleibt zudem die so genannte
'demographische Rendite'. Das heißt, obwohl in
den kommenden Jahren die Schülerzahlen deutlich
zurückgehen, werden keine Lehrstellen gestrichen.
Dadurch können die Klassenstärken weiter abgesenkt
werden und es wird noch mehr individuelle Förderung
möglich. An den Grundschulen sind derzeit durchschnittlich
22,5 Schüler in der Klasse, an Hauptschulen sogar
nur 20,5, an den Realschulen 27,4, und an den Gymnasien
26,8 Schüler. Unser Ziel in dieser Legislaturperiode
bleibt, an den Grund- und Hauptschulen die Klassen über
25 und an Real-schulen und Gymnasien über 30 Schülern
abzubauen; zudem ein weiterer Ausbau von Ganz-tagesschulen
2010/2011 an zu-sätzlich 100 GS, 100 HS, 40 FöGS
und 30 FöHS.
Herausstellen will ich, dass die Hauptschulen zum Bereich
der weiterführenden Schulen gehört und deutlich
mehr leisten kann und leistet als das gemeinhin bekannt
ist. Die Bayerische Hauptschule ist nicht mit einer
Rütli-Schule in Berlin vergleichbar und ist deutlich
besser als der ihr oftmals zugeschriebene Ruf. Mit rd.
einem Drittel eines Schülerjahrgangs in der Jgst.
8 ist sie tatsächlich immer noch 'Hauptschule'
und keinesfalls 'Restschule'! Sie ermöglicht vom
regulären Abschluss über den 'Quali' bis zur
Mittleren Reife verschiedene Abschlussstufen. Deutlich
über 20% der Hauptschüler ab Jgst. 7 sind
bereits in Mittlere-Reife-Klassen; Tendenz steigend.
Zwei Drittel aller Auszubildenden in Bayern kommen
von der Haupt-schule; die Nachfrage kommt aus der Wirtschaft,
insbesondere aus dem Handwerk; Unterstüztung der
Weiterentwicklung durch HWK und VBW.
Veränderungen im gesellschaft-lichen und familiären
Bereich, die Situation auf dem Lehrstellenmarkt und
das Wahlverhalten der Eltern, hinsichtlich der Schullaufbahn
ihrer Kinder, haben auch Auswirkungen auf die Hauptschule.
Obwohl in den vergangenen Jahren die Hauptschule stets
pädagogisch weiterentwickelt wurde, z.B. Praxisklassen,
M-Züge, neuer Lehr-plan, und die Hauptschule in
Bayern
einen höheren Stellenwert hat als in den meisten
anderen Bundeslän-dern, bedarf es angesichts der
zukünftigen Herausforderungen an die junge Generation,
z. B. auf dem Arbeitsmarkt, eines umfassenden Neuansatzes.
Wir wollen die Hauptschule stärken und die Wettbewerbsfähigkeit
erhalten.
'Daher reagieren wir mit der Weiterentwicklung der
Hauptschule zur Mittelschule!'
Die demographische Entwicklung mit deutlich sinkenden
Geburten-zahlen (1,3 Geburten pro Frau) hat in den kommenden
Jahren enorme Auswirkungen auf die Schülerzahlen
der Eingangsklassen und setzt sich dann in den folgenden
Jgstn. fort.
Folgen der demographischen Entwicklung für die
Hauptschulen:
- Klassenbildung ab mind. 15 Schülern ist vorgeschrieben.
- Zuweisung an benachbarten Schule, wenn weniger Schüler.
Artikel 32 des Bayerisches Erziehungs- und Unterrichtsgesetz:
Schulen die die erforderlichen Jgstn. 5-9 nicht mehr
bilden können, sind aufzulösen. Damit droht
gerade kleineren Schulstandorten die Gefahr der Auflösung.
Nichtstun verringert die Zahl der derzeit 978 HS-Standorte
massiv!
Kleinere Hauptschulen können außerdem nur
ein begrenztes Bildungsangebot bereitstellen, hier soll
die Mittelschule durch die Möglichkeit der Bildung
von Schulverbünden Abhilfe schaffen. Das ist für
uns notwendig im Sinne unseres Grundgesetzes:
'Qualität und Gerechtigkeit!'
Gerade im Verbund haben kleine Hauptschulen Zukunft.
Die oft genannte Zahl von 300 Schülern als Untergrenze
für eine Mittelschule ist vom Kultusministerium
nicht vorgegeben. Vielmehr herrscht hier große
Freiheit. Begrenzung werden die Lehrstunden sein!
Gerade die HS mit ihrer heterogenen Schülerschaft
bedürfen des besonderen Augenmerks der Bildungspolitik.
Das Klassenlehrerprinzip (feste Bezugsperson) ist sehr
wichtig.
Übertrittsverhalten:
Das Verhalten der Realschulen, Wirtschaftsschulen und
Gymnasien, die von der demographischen Entwicklung gleichermaßen
betroffen sind, ist noch nicht abzuschätzen. Die
Schulauswahl bestätigt, dass das differenzierte
Schulwesen in der Bevölkerung große Akzeptanz
genießt.
51.983 Schüler haben sich formell für das
Gymnasium in Bayern für das Schuljahr 2009/2010
ange-meldet, im Jahr zuvor waren es 50.769 Schüler.
Stabile Übertrittszahlen zur Realschule: Von den
Viertklässlern an Grundschulen und Fünfklässlern
an Hauptschulen haben sich zum Schuljahr 2009/2010 rd.
33.191 entschieden, auf die Realschule zu wechseln und
damit etwa so viele wie im Vorjahr. Es droht der Wirtschaft
in absehbarer Zeit ein Fachkräfte-mangel, da Kandidaten
für Lehrstellen auf Grund der demographischen Entwicklung
weniger werden und diese nicht immer ausreichend qualifiziert
sind. (Grundfertigkeit und Sozialkompe-tenz!)
Die Einführung der Mittelschule soll eine Antwort
auf die strukturellen Herausforderungen geben, vor denen
die Hauptschule steht; sie ist eine Fortentwicklung
der Haupt-schulinitiative! Greift man die Stärken
der Hauptschulen auf, betont sie und erweitert das Bildungsangebot
sowohl für schwächere wie auch für besonders
gute Schüler!

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